b_mikhailov (b_mikhailov) wrote in a_vituhnovskaya,
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Ein Mädchen, ich: schlichtes Kattunkleid, stumme Knie der Angst
mit Kratzern, Todeshieroglyphen gleich,
blaue, leicht altersgraue Augen - eine vom Mars, vergewaltigt,
die Fingernägel abgekaut vor Hunger und Langeweile. Kleb ich

rote Blütenblätter drauf von Rosen aus dem Müllcontainer
und bemale meine Lippen mit einer plattgefahrenen Katze Blut,
gleiche ich einer erwachsenen Straßenschönen,
der man Parfüm, Pralines und Vodka schenkt.
Wenn ich groß bin, will ich nicht gut sein.

Ich hatte eine tote Mutter. Rußland, 1920,
Tuberkulose, Läuse und eine Puppe.
Mit Dieben hauste ich im Keller. Alles, was man so braucht,
erschien mir im zarten Haschischnebel.

Doch dann, in einer langweiligen, wirklichen Nacht,
stürmten Hunde und Menschen den Keller,
Menschen und Hunde mit Pistolen und Fell.
Sie setzten mich in einen Käfig, wie eine Ratte,
die sich durchbiß in ihren Alltag hinein.
Sechs von ihnen schlugen auf mich ein.

Mich, zerrissen wie ein faulendes Laken,
ein Schmetterling des Traums,
eine nackte Puppe, ein wahnsinniges Mädchen, ein Luder,
brachten sie ins Erziehungslager, wo Kinder,
die eigenen Namen längst abgelegt, die Fibel ihres Todes paukten.

Eine finstere Wächterin streckte mir Fangarme und Fühler entgegen.
Sie, Motte der Perlenhölle, biß mit den Zähnen der Schere
meine weißen Haare ab. Nackt, ohne Zopf,
glich mein Kopf jetzt einer Fußball-Null.

Im Lager hielten sie uns wie unnützes Freiwild.
Ich wollte wie ein Tier das Heu ihrer fühllos-toten Gedanken fressen,
wie eine versklavte Libelle vertrocknen zur Zierde des Herbariums,
ich dachte an Mutation, also an Selbstmord…

Drei Jahre Scham und Angst zogen sich hin wie hundert Höllen.
Gott gab nicht acht auf mich, er vögelte eine sadistische Pflegerin.
Und mich nahm an die Hand, küßte und weinte sanft,
ein schöner Junge, den ich irgendwann dorthin hole,

wo uns keiner mehr erwischt. Dann
lernen wir nicht mehr zu leiden und gut zu schießen.
Ich werde das Messer, er wird der Dunkelheit Revolver.
Und unsere Körper – paff! – sind weg, er kann mich nicht mehr küssen.

Ein schönes Mädchen wurde ich mit dem Kehrgesicht des Kriegs.
Mein treuer Junge drückte mir meine Messer-Hand.
Als er mich aber umarmen wollte, wurden wir zu Träumen des Atomtods,
Sprengten die Welt und starben. Keine Zeit zum Zusammensein. Na und?

Алина Витухновская,
Ссылка на автора обязательна.


Tags: АрхивЪ
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